Bilderbuch Werdegang eines Start-ups

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Im Januar 2011 zog Timo Ziegler drei Jahre nach der Gründung der Brickmakers GmbH als „Ein-Mann-Unternehmen“ im TechnologieZentrum Koblenz ein. Fünf Jahre später hatte der Gründer und Geschäftsführer bereits mehr als 30 Mitarbeiter. Heute ist das Team von Timo Ziegler fast 70 Mann stark und weiter auf Expansionskurs. Das Unternehmen ist Spezialist für Digitalisierung mit Schwerpunkt auf der Entwicklung mobiler Applikationen und webbasierter Lösungen.

Herr Ziegler, „mobile Applikationen“ und „webbasierte Lösungen“. Welche Lösungen haben Sie aktuell entwickelt?
Gerade haben wir zum Beispiel die Plattform „Plakat-verkauft.de“ komplett erneuert. Dabei haben wir die vorhandene Anwendung durch eine komplett cloudbasierte Applikation abgelöst, in der die angebotenen Plakatflächen auf einer Karte durchsucht und gefiltert werden können.
Die Plattform unterstützt bei der Auswahl, der Buchung inklusive Zahlungsabwicklung sowie der Bereitstellung der Werbemedien. Für das Backoffice gibt es einen Verwaltungsbereich, in dem die Werbeflächen administriert, Preis- und Gutscheinmodelle editiert und die Kundendaten bearbeitet werden können. Mit wenigen Klicks kann der Kunde unter mehr als 350.000 Werbeträgern wie etwa Plakatflächen und City-Light Postern in Deutschland auswählen und online buchen. Doch damit nicht genug. Durch die Erweiterung um das „Creation Center“ bekam die Plattform ein Alleinstellungsmerkmal, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Der Kunde kann dort, ohne die Installation von lästiger zusätzlicher Software, Plakate einfach selbst gestalten, indem er Vorlagen für Plakate verwendet, die durch Bilder, Logos und Slogans individuell an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können. Wer das „Creation Center“ nicht nutzen möchte, kann weiterhin die „Gestaltung von Profis“ durchführen lassen.

Lässt sich der Erfolg eines solchen Projekts messen?
Ja, die Ergebnisse sprechen für sich; Die Anzahl der Absprünge auf der Karte ist um 30 Prozent gesunken, die Sichtbarkeit über SEO (Suchmaschinenoptimierung) ist um 40 Prozent gestiegen und die CR ist sogar 60 Prozent höher als vorher (Anm. der Red.: Die Conversion Rate (Konversionsrate) gibt an, wie viele User beim Besuch einer Webseite dort eine bestimmte, vom Webseitenbetreiber gewünschte Handlung vollziehen.)

Timo Ziegler, Gründer und Geschäftsführer der Brickmakers GmbH

Wie sehen Sie die Entwicklung des Unternehmens in den vergangenen elf Jahren?
Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden haben wir eine gute und vorausschauende Einschätzung der Bedürfnisse entwickelt. Das hat dazu geführt, dass wir heute insbesondere auf die Säulen Agilität, User Experience, Qualität und Innovation setzen. Daher hat sich unsere Zielgruppe sukzessive von kleineren zu mittleren und großen Unternehmen verlagert. Heute kommen wir vor allem dort zum Zuge, wo komplexe Herausforderungen schnell, gut und zuverlässig gelöst werden sollen. Dabei kann es sich genauso um die komplette Neuntwicklung eines digitalen Produktes oder Geschäftsmodelles handeln wie um die Ablösung eines in die Jahre gekommen Legacy-Systems, welches einfach nicht mehr fit für die Anforderungen und Strategien der kommenden Jahre ist.

Ihr Unternehmen hat unterschiedlichste Referenzen wie etwa Allianz, Cornelsen, Telefónica oder STRATO. Gibt es ein besonderes Highlight?
Von den hier genannten Referenzen möchte ich auf jeden Fall STRATO hervorheben. STRATO ist einer unserer ältesten Partner. Hier sind wir seit ca. acht Jahren Teil der Produktentwicklung des Cloud-Storage Dienstes HiDrive. Gerade solche langen und kontinuierlichen Partnerschaften haben es uns ermöglicht, unseren Entwicklungsprozess und unsere Standards sukzessive immer wieder im Sinne von Kunde und Produkt weiterzuentwickeln und zu optimieren.
Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen haben wir in den ersten Jahren nahezu unseren kompletten Umsatz überregional, deutschlandweit gemacht. Gerade in den letzten Jahren haben sich aber auch zunehmend regional starke Partnerschaften wie z. B. mit AWK, Debeka und „Meine Gesundheit“ entwickelt. Das freut mich sehr, da wir nach wie vor sehr überzeugt von Koblenz als Standort sind und daher auch regional gerne eine gewisse Rolle spielen und wahrgenommen werden möchten.

Seit Oktober 2016 gehört Brickmakers zur Acando Group. Welchen Nutzen hat Ihnen dieser Schritt gebracht?
Der Beteiligung ging ein fast zehnmonatiger Prozess des intensiven Austausches voraus. Dabei waren für mich am Ende zwei Dinge ausschlaggebend. Zum einen habe ich den Eindruck gewonnen, hier für den weiteren Wachstumsprozess von Brickmakers viel Know-how, aber auch viele Angebote und Prozesse mitnehmen zu können. Zum anderen konnte ich in den vielen intensiven Gesprächen sowohl die deutsche Geschäftsführung als auch den Group CEO aus Schweden kennenlernen. Ausschlaggebend war am Ende die Einschätzung, gerne mit diesen Menschen arbeiten zu wollen. Rückblickend war das ein guter und wichtiger Schritt, der uns den Weg vom Start-up mit ca. 25 Mitarbeitern zum Unternehmen mit fast 70 Mitarbeitern geebnet hat.

Gerade erst im April hat die weltweit tätige CGI die Acando Group übernommen. Bleiben in einem solch großen Konzern Ihre Selbstständigkeit und Ihre Identität nicht auf der Strecke?
Die Übernahme der Acando durch CGI war für uns Brickmakers ein sehr einschneidendes Erlebnis. So nah uns Acando mit der schwedischen, auf Mitarbeiter zentrierten Unternehmenskultur war, so fern ist uns CGI, was Prozesse und Kultur angeht. Vorausschauende Berater beim Verhandeln des Beteiligungsvertrages mit Acando haben sich in der Situation aber mehr als bezahlt gemacht. Ich konnte am Ende eines dreimonatigen Nervenkrieges schlussendlich einen Deal verhandeln, der es mir ermöglicht hat, die im Vorfeld an Acando verkaufte Mehrheit zurückzuerwerben. Dadurch sind wir seit Mitte des Jahres wieder vollständig unabhängig. Das hat aber auch nur deshalb funktioniert, weil das Team in dem ganzen Prozess auch gegenüber CGI immer komplett geschlossen hinter mir stand. Bezüglich der Frage, was das mit unserer Identität gemacht hat, so glaube ich, ist die gemeinsam von allen Brickmakers empfundene Identität heute stärker als zuvor. Und das, obwohl wir auch vorher schon auf Basis des Mitarbeiterfeedbacks als „Great Place to Work“ ausgezeichnet wurden.

Lassen Sie uns auf Ihre Zeit im TZK und den Umzug zurückblicken. War der Einzug in das TZK die richtige Entscheidung?
Absolut! Aber das war mir als „Wiederholungstäter“, als ehemaliger Mieter des TZKs, damals noch in Maria Trost, ja schon vorher klar. Ich erinnere mich sehr gerne zurück. Zum einen natürlich aus kaufmännischer Sicht an die günstige Miete (lacht), aber noch viel angenehmer war, dass viele Infrastrukturthemen, die wir jetzt selbst auf der Agenda haben, einfach vom TZK gelöst wurden. Das fängt beim Serverraum an, geht über Seminar- und Besprechungsräume bis zu Flächen für Veranstaltungen. Natürlich waren wir auch durch den tollen Standort echt verwöhnt. Das hat uns die Suche nach einer neuen Location nicht leichter gemacht. Wir wollten ja nicht, dass unsere Mitarbeiter den Standortwechsel als Rückschritt empfinden.

Warum haben Sie das TZK im Oktober 2018 verlassen?
Zum einen war unsere Zeit abgelaufen, zum anderen sind wir damals durch die Konzernbeteiligung aus dem Start-up, ja sogar aus dem KMU-Fokus rausgefallen. Das hat sowohl für uns als auch für das TZK das Handling unseres steigenden Flächenbedarfs schwierig gemacht.

Was kommt auf einen zu, wenn man das „Nest“ TZK verlässt?
Wir haben uns sehr intensiv mit der Auswahl des Standortes beschäftigt. Dazu haben wir über Umfragen versucht, ein Meinungsbild der Kolleginnen und Kollegen einzufangen. Am Ende sollten ein Standort und eine Fläche stehen, die zu unserer Identität und Arbeitsweise passen. Das ist uns mit dem neuen Standort in der Planpassage in Koblenz gut gelungen, auch wenn wir mit unserem Projekt „Büro“ noch lange nicht fertig sind.
Der eigentliche Umzug war dann auch als Projekt sehr gut vorbereitet. Den Umzug selbst durch Profis machen zu lassen, war dabei eine sehr gute Entscheidung. Dadurch haben wir pro Mitarbeiter nicht mehr als einen Tag produktive Zeit verloren.
Was wir aber absolut unterschätzt haben, ist der Folgeaufwand, der entsteht, um unser Ziel, das Büro kontinuierlich weiter zu entwickeln, zu verfolgen. Inzwischen haben wir uns hier aber einigermaßen gut eingeschwungen.

Sie sprechen den Standort und die Standortkriterien an …
Neben der Erreichbarkeit und damit der Lage benötigen wir in aller erster Linie Strom, Internet und genug Platz, um unser Arbeitsumfeld so zu entwickeln, dass wir uns wohlfühlen. Internet sollte dank der vorhandenen Glasfaserangebote in Koblenz nirgends ein echtes Problem sein. Bei allem anderen half uns der Leerstand der ehemaligen Wehmeyer-Fläche im Rohbauzustand weiter. So konnten wir uns frei nach unserem Bedarf entfalten.

War Koblenz ein „Muss“?
Da wir nach wie vor viele Mitarbeiter direkt in Koblenz und auch aus dem Umfeld der Uni und Hochschulen gewinnen, war für uns die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein ganz entscheidender Punkt. Ein Standort ohne ÖPNV in unmittelbarer Umgebung wäre nicht in Frage gekommen. Einziger Nachteil für uns aus kommerzieller Sicht ist, dass wir für alle Mitarbeiter, die von außerhalb mit dem Auto kommen, Parkplätze in den Parkhäusern in der Innenstadt anmieten mussten. Das ist aber zum Glück die absolute Minderheit.

Abschließend noch ein Blick in die Zukunft: Wie sehen die nächsten Schritte der Brickmakers GmbH aus?
In erster Linie wollen wir unseren Stand als regionaler Partner für moderne und anspruchsvolle Softwareentwicklung weiter ausbauen. Hierzu werden wir zum Beispiel am Standort Koblenz die aktuelle Fläche von 1.000 m² im kommenden Jahr schon wieder erweitern. Darüber hinaus haben wir schon vor einiger Zeit mit Köln einen zweiten Standort erschlossen. Dieser soll ebenfalls weiter ausgebaut werden.
Inhaltlich spielen für uns zukünftig Innovationskompetenzen, Augmented Reality und IoT eine immer größere Rolle. Um hier schon heute gut aufgestellt zu sein, haben wir unser IoT-Labor geschaffen und beschäftigen uns mit den vorgenannten Themen in einer ganzen Reihe von Bachelor- und Masterarbeiten. Neugierde und der Wille, immer an vorderster Front des technisch Machbaren zu arbeiten, gehören einfach fest zu unserer DNA.

Ein perfektes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Zukunft!