Der Gewinner des diesjährigen Startup Slams am Eck – Interview mit Luciano Privitera

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Mit seinem Geschäftsmodell im Bereich Virtual Reality hat Luciano Privitera “den Zahn der Zeit” getroffen, wie der junge Co-Founder von VR-Soft häufig selbst zu hören bekommt. Wettbewerbe, an denen Luciano teilnimmt, gewinnt er. Ob Startup Slam am Eck oder der Ideenwettbewerb Rheinland-Pfalz – sein Unternehmen ging dieses Jahr als Gewinner hervor. Mit seinem Team nutzt er die Räumlichkeiten im TZK, daher trafen wir uns zu einem Gespräch im Coworking Space.

Luciano Privitera, Co-Founder von VR-Soft, im Coworking Space des TZK.

Luciano, bitte stell Dich kurz vor.

Hi, mein Name ist Luciano Privitera. Ich bin 26 Jahre jung, habe letztes Jahr einen Bachelor im Wirtschaftsingenieurwesen gemacht und mich direkt danach mit einem Kollegen zusammengetan, um ein Startup zu gründen: VR-Soft. Wir haben gut ein Jahr unsere Software RivexVR entwickelt und damit auch den Startup Slam in Koblenz gewonnen. Kürzlich waren wir erfolgreich auf der BAUMA in München unterwegs und gehen nun auf den Markt

Wann war Dir klar, dass Du Unternehmer werden möchtest?

Den Funken hat mein Kollege gezündet. Wir haben zusammen studiert, uns eine Menge alleine aus Büchern beigebracht und wurden Freunde. Er hatte bereits zwei Monate als Dienstleister große Produktionsanlagen in VR visualisiert, als ich mit eingestiegen bin. Dann machten wir das drei Monate lang gemeinsam und entschieden uns schließlich, eine automatisierte Lösung zu entwickeln, eine Software. Damit lässt sich besser skalieren.

Kurz nachdem Du mit eingestiegen bist, habt Ihr Euch beim Koblenzer Startup Slam beworben. Wie war das?

Genau. Mein Geschäftspartner ist für die Programmierung und Geschäftsführung zuständig, ich für den Vertrieb und die Öffentlichkeitsarbeit. Eigentlich waren wir mit den Vorbereitungen auf unsere erste Messe beschäftigt, doch Sara Zollmann vom TZK legte uns nahe, am Startup Slam teilzunehmen. Zum Glück, denn es war cool. Ich stehe gerne auf der Bühne. Beim Slam präsentiert man sich anders als im Pitch beim Investor. Coole Leute, prima Möglichkeit zum Netzwerken. Das würde ich allen empfehlen, die gründen möchten. Geht zunächst als Zuschauer hin. Die Jury ist super und absolut zugänglich.

Womit genau habt Ihr den Startup Slam gewonnen?

Wir ermöglichen Personen, unabhängig von der Branche, Investitionen, die sie tätigen, also hochwertige Investitionsgüter wie große, teure Maschinen oder Häuser, vorab in Echtgröße zu erleben. Das Eigenheim ist ein Beispiel dafür. Wir machen es ihnen möglich, durch die Räume zu gehen und sich ein Bild vom Endprodukt zu machen. Das hat das Publikum überzeugt. Denn es ist wesentlich cooler etwas zu betreten als es nur in 2D auf dem Bildschirm zu sehen. VR-Brillen bieten ein Erlebnis. Aus Modelldaten so ein Erlebnis zu machen, damit vielen Menschen die Kaufentscheidung zu erleichtern und Produktionsfehler zu vermeiden – das hat überzeugt.

Welche Vorteile bringt VR noch mit sich?

Auf Messeplätzen können Unternehmen alle Modelle, die sie haben, präsentieren – ihr ganzes Produktportfolio. Dafür benötigen sie lediglich einen Quadratmeter Platz. In VR gibt es keine Raumbegrenzung. Wenn man sich also vorstellt, was für riesige Maschinen auf Messen teilweise aufgebaut werden müssen und wie viel Platz man dafür mieten muss – all das lässt sich mit VR viel besser lösen. Man kann ganze Anlagenkomplexe ganz genau besichtigen, während man auf einer Stelle steht. Dafür gibt es unzählige Anwendungsmöglichkeiten.

Was bietet Ihr, das die Konkurrenz nicht hat?

Unsere Software kann mit Abstand die größten Datenmengen visualisieren. Es ist ja ein Unterschied, ob du zum Beispiel deinen Schreibtisch visualisierst oder eine ganze Fabrikhalle inklusive aller Maschinen. Jede Branche hat ihre eigenen Dateiformate. Wir unterstützen im Maschinenanlagenbau die größten Datenmengen. Deshalb waren wir mit der MASA GmbH auf der Messe. Denn sie hatten bereits Erfahrungen mit Dienstleistern für VR gemacht, aber von uns waren sie beeindruckt. Warum? Weil wir nicht nur eine Maschine, sondern einen ganzen Anlagenkomplex mit unserer Software visualisiert haben. Manche Dienstleister sind mit nur einer Maschine überfordert. So groß sind die Unterschiede auf diesem Markt.

Luciano für den Kunden MASA auf der BAUMA in München.
Luciano für den Kunden MASA auf der BAUMA in München. Foto: VR-Soft

Die MASA GmbH hat Euch also auf die BAUMA nach München mitgenommen?

Ja. Wir kamen letzten November mit MASA in Kontakt und bereits vier Monate später fand die Messe statt. Es war für sie und uns erstaunlich, dass wir es in so kurzer Zeit geschafft haben, alles rechtzeitig fertig zu bekommen. Die BAUMA findet nur alle drei Jahre statt, daher war das eine großartige Möglichkeit für uns. Wir hätten nicht gedacht, dass wir jetzt schon daran teilnehmen könnten. Viele Unternehmen bereiten sich mindestens ein Jahr lang auf diese Messe vor.

Welches Feedback habt Ihr auf der Messe erhalten?

Das Feedback war sehr gut und auch konstruktiv. Wir haben zum Beispiel festgestellt, was wir zusätzlich noch für die Userfreundlichkeit tun können. Insbesondere wenn ältere Menschen die VR-Brille tragen, müssen bestimmte Dinge bedacht werden. In dieser Branche ist es so, dass nicht unbedingt junge, technikaffine Mitarbeiter der Unternehmen auf uns zukommen, sondern die etwas älteren Entscheidungsträger – meist die Geschäftsführer selbst. Viele von ihnen sind schon älter und kennen sich mit VR kaum aus. Daher benötigen sie etwas mehr Unterstützung bei der Bedienung. Während die jüngere Generation automatisch weiß wie man den VR-Controller bedient, macht es für die ältere Generation mehr Sinn, nur zu genießen, während ein anderer die Steuerung übernimmt. Mit dem Controller teleportiert man sich quasi vorwärts. Es kommt ein Strahl, mit dem man wählt, wohin man sich teleportieren lassen möchte. Das hat den Vorteil, dass man sich weit bewegen kann. Den älteren Usern muss man das etwas länger erklären, deshalb möchten wir es ihnen bequemer machen.

Euer Büro ist im TZK. Wie seid Ihr hier gelandet?

Der Gründungsberater der Hochschule Koblenz brachte uns mit dem TZK in Kontakt. Wir haben beispielsweise erfahren, dass man sich hier am TZK bewerben kann, um einen der beiden Inkubatoren nutzen zu können. Wir hatten Glück und durften in den Inkubator. Aus drei Monaten wurden freundlicherweise fünf. Dann gewannen wir den Ideenwettbewerb RLP und den damit verknüpften Preis, für weitere drei Monate den Inkubator nutzen zu können. Mit dem Gewinn des Startup Slams kamen noch einmal drei Monate hinzu. Das freut uns sehr

Was ist ein Inkubator?

Der Inkubator im TZK ist ein Büro, das man ohne monetäre Verpflichtungen zum konzentrierten Arbeiten nutzt und somit als Startup schnell Fortschritte macht. Hier wird man nicht abgelenkt. Man kommt nicht zum Chillen hierher, sondern um fokussiert zu arbeiten.

Unsere Anfänge waren ja an der Fachhochschule, aber dort ist die Ablenkung groß. Ich nenne das Studentenflair. Man lebt nach einem bestimmten Tagesablauf – Mittagspause, Raucherpause, hier ein Gespräch, dort etwas Smalltalk, und so verfliegen die Stunden. Klar könnte man zu Hause im Wohnzimmer arbeiten, aber auch das ist viel schwieriger als wenn man tatsächlich zur Arbeit fährt und sich ins Büro setzt. Das ist fürs Mindset viel einfacher. Der Inkubator im TZK bietet einem daher mehrere Faktoren, um zügig voranzukommen.

Verhilft er auch zu den ersten Erfolgserlebnissen?

Es ist der erste Schritt, ja. Man hat zum ersten Mal ein Büro. Dann kommt die erste Messe und es kommen Leute, die einen unterstützen. Das fing allerdings bereits in der Hochschule an. Raphael Dupierry (vom Gründungsbüro) hat uns sehr geholfen. Wir gingen mit einer Idee zu ihm, er steuerte neue Impulse dazu und vernetzte uns mit wichtigen Kontakten, zu denen auch Herr Görlitz gehört. Im Grunde muss man nur Ja sagen, dann ist es gar nicht schwer in die Gründerszene zu gelangen und wertvolle Tipps zu erhalten.

Foto vom Startup Slam Koblenz 2019. Juror Markus Maron von IT.Stadt Koblenz e.V. hat Luciano den Preis übergeben.
Gewinner des Startup Slams Luciano mit Juror Markus Maron von IT. Stadt Koblenz e.V. (Foto: Startup League)

Welche Ziele habt Ihr?

Das Unternehmertum ist unser Traum. Deshalb stecken wir alles rein, was wir können. Wir sind auch sehr zuversichtlich, Erfolg zu haben. Uns ist wichtig, sich vorwärts zu bewegen und sein eigener Chef zu sein. Wir möchten auch auf lange Sicht gut von unserem Unternehmen leben können, mit Familie. Emotionaler Reichtum ist aber auch wichtig. Wir möchten glücklich sein. Das sind wir auch schon.

Du hast eingangs erwähnt, dass Du viel aus Büchern gelernt hast. Liest Du gerne?

Ja, insbesondere Bücher zum Mindset. “Think and grow” von Napoleon Hill ist ein Buch, das ich jedem empfehle, der mich nach einem Buchtipp fragt.

Warum?

Es gibt Bücher, die wie ein Baumstamm sind und andere, die die Äste darstellen. Ich bin dafür, dass man sich zunächst eine Basis schafft, also einen starken Baumstamm, damit er viele Äste tragen kann. Dieses Buch eignet sich gut dafür.

Luciano, vielen Dank für das Gespräch.

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