„Es ist mein Talent, Menschen die Kunst näherzubringen.“

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Sie ist eines der bekanntesten Koblenzer Gesichter auf Instagram: Social Media Director Jennifer Kluge, im Web besser bekannt als blumenkindjen, arbeitet seit 2014 für die im TZK ansässige Agentur 247GRAD und baut sich parallel dazu ein eigenes Business auf. Vor drei Jahren machte die gebürtige Koblenzerin ihr Hobby zum Geschäft und startete mit blumenkindjen.art durch. In Werbung hat die Unternehmerin bisher kaum einen Cent investiert, stattdessen setzt sie auf Instagram – und das mit Erfolg! Nun geht sie mit ihrem Business einen Schritt weiter. Höchste Zeit, dem Talent einige Fragen zu stellen.*

Liebe Jen, im Netz kennt man Dich als blumenkindjen. Wie ist der Name entstanden?

Blumenkindjen war ich schon immer, seit ich auf Instagram bin. Das Wortspiel aus Blumenkind und Jen fand ich süß. Außerdem klingt es positiv – und es passt zu mir. Ich trage lange Haare, mag Blumen und bin wie ein Hippie-Mädchen. (lacht) Irgendwann war das in Koblenz so verankert, dass mich die Leute auf der Straße damit ansprachen. Deshalb wollte ich den Namen nicht ändern, habe für meinen Kunst-Content blumenkindjen.art gegründet und dafür eine zweite Instagram-Seite ins Leben gerufen.

Du baust Dir nebenberuflich ein eigenes Business auf, aber wie bist Du zunächst hauptberuflich im TZK gelandet?

Ich habe einen engen Bezug zu dieser Stadt und bin daher auch zum Studium hier geblieben. Kurz vor dem Bachelor-Abschluss macht die Hochschule Koblenz immer eine Praxis-Phase, in der man mit einem Unternehmen zusammenarbeiten muss. In dem Rahmen habe ich vor sieben Jahren mit einem Team am Projekt für 247GRAD gearbeitet. Auf diese Weise hatte ich zum ersten Mal Berührungspunkte mit der Agentur und wurde anschließend gefragt, ob ich nicht als Praktikantin bleiben möchte. Das hat sich dann nach kurzer Zeit zu einer Werksstudentenstelle entwickelt. Den Bachelor habe ich klassisch in BWL gemacht, danach wechselte ich zum Master an die Universität und studierte Informationsmanagement. Wegen der direkten Uninähe, war es sehr praktisch hier im TZK zu arbeiten. Ich konnte problemlos zwischen Job und Uni wechseln. Ein Jahr bevor ich mit dem Master fertig war, habe ich hier hauptberuflich und in Vollzeit angefangen zu arbeiten.

Hatte die Gründerszene als Umfeld Auswirkungen auf Deine Idee, ein eigenes Business zu starten?

Auf jeden Fall. An der Uni hatten wir zwar Entrepreneurship und Kurse, die sich mit dieser Thematik befassten, so dass ich den Gründergedanken spannend fand, doch insbesondere mein Umfeld hier im TZK führte dazu, dass ich keine Angst hatte, etwas Eigenes zu gründen. Ich arbeite seit jeher kreativ und im Marketing, aber durch das Wirtschaftsstudium entwickelt und verinnerlicht man zudem einen wirtschaftlichen Grundgedanken. Der Agenturspirit bei 247GRAD trug den Rest dazu bei.

Nicht jeder findet Zeit und Kraft, um sich zusätzlich zum Hauptberuf ein zweites Standbein aufzubauen.

Ich bin eine Macherin und brauche Beschäftigung. (lacht) Nachdem ich mit meinem Master fertig war, hatte ich wieder mehr Zeit an den Wochenenden. Ein Jahr zuvor hatte ich in meiner Freizeit eine neue Maltechnik für mich entdeckt. Daher kam mir die Idee, dass auch andere daran Spaß haben könnten. Also entwickelte ich ein entsprechendes Event-Konzept, nannte es Nacht der Farben und fragte hier im TZK bei Sara Zollmann nach, ob ich für meine Kurse die Cafeteria nutzen könnte.

Ging das alles der Reihe nach oder wie bist Du die Sache angegangen?

Nein, ich bin ein Mensch, der eine Idee hat und dann macht. Vieles passierte gleichzeitig. Es war klar, dass ich eine Location brauchen werde, also fragte ich einfach und Sara war sofort dafür. Ich hatte also den Raum, genug Parkplätze sowie Stühle – und das alles kostenlos. Man sollte grundsätzlich mit so wenigen Kosten starten wie möglich. Stattdessen habe ich dann eher Geld für die Deko ausgegeben, um es den Kursteilnehmer:innen gemütlich und angenehm zu machen.

Welche Rolle spielt für Dich Social Media?

Eine sehr große! Das ist mein einziges Marketing. Ohne Instagram würde es gar nicht funktionieren. Denn entweder jemand empfiehlt meine Events oder sie werden auf Instagram gesehen. Ich nutze Instagram also regional, um die Menschen zu erreichen, die tatsächlich nah genug wohnen, um zur Nacht der Farben kommen zu können. Dafür eignet sich die Plattform sehr gut – auch weil die Bilder sofort zeigen, was im Kurs passiert.

War es schwer, sich eine Community aufzubauen?

Nein. Das was ich beruflich im Rahmen der Agentur mache, musste ich ab da auch für mein Gewerbe blumenkindjen.art tun. Ich musste also regelmäßig und sehr viel Content produzieren, um mir einen Kanal aufzubauen. Passende Hashtag-Recherche hinzu – mein Job hat mir sehr dabei geholfen, das alles richtig anzugehen. Ich wusste wie man einen Instagram-Account gut pflegt und habe das versucht. Natürlich war das mit sehr hohem Zeitaufwand verbunden. Der Kanal hat schließlich meinen privaten Kanal überholt, denn er ist thematisch auf Kunst fokussiert und füllt eine Nische.

Könntest Du einige Deiner Schritte benennen?

Plattform aufbauen, professionelle Fotos machen und Website entwickeln, damit das Buchen online möglich ist. Dann investieren und reinvestieren. Mehr Deko kaufen, den Raum optimieren und es den Teilnehmer:innen noch netter machen. Irgendwann kam ich sogar mit Teppich hier an. Man entwickelt sich weiter.

Du hast diese Veränderungen stets bildlich festgehalten und in Deinen Social-Media-Kanälen geteilt.

Richtig, denn der Auftritt ist sehr wichtig. Es kamen immer mehr neue Kund:innen. Viele kamen aber auch mehr als ein- oder zweimal. Ich hatte ihre Loyalität. Um auch ihnen immer wieder etwas Neues bieten zu können, habe ich mir zusätzliche Formate überlegt. Denn ich wollte, dass noch mehr Menschen wiederkommen. So habe ich zum Beispiel das Papierformat vergrößert, weil viele gerne größere Bilder malen wollten. Dann habe ich Weihnachtskugeln gemacht. Also wagte ich mich immer wieder an neue Modelle, die aber alle zusammenpassten. Manches funktionierte besser, manches schlechter. Auch jetzt habe ich neue Dinge in Planung. An Neues müssen sich die Menschen aber immer zuerst gewöhnen. Das ist wichtig zu wissen. Man muss sie langsam an diese Sachen heranführen, weil sie einen mit etwas Bestimmtem verbinden. Auf neue Produkte muss man sie daher vorbereiten.

Bist Du zusätzlich Kooperationen eingegangen?

Ja, Firmen kamen auf mich zu. Meine Artworks werden inzwischen auch als Poster verkauft. Ich betrachte mich aber nicht als Künstlerin, sondern als jemanden, der anderen einen Zugang zur Kunst ermöglicht. Deshalb hat es mich sehr gefreut, als mich ein Hersteller von Alcohol Inks kontaktierte. Das sind die Farben, die ich nutze. In Zusammenarbeit ist ein Starter-Set mit meinem Namen entstanden, das man bestellen kann. Solche Randprodukte, die aus meiner Kunst entstehen, bieten mir ein passives Einkommen – und dieses kann ich ins Business reinvestieren.

Nun gehst Du einen Schritt weiter. Was genau hast Du vor?

Ich habe mich dafür entschieden, eigene Räumlichkeiten zu mieten. Damit verpasse ich dem Ganzen noch einmal einen Marketingschub. Alles wird noch professioneller aussehen. Jetzt habe ich zwar Kosten, aber einen eigenen Raum, den ich komplett so gestalten kann, wie ich möchte. Ein kreativer Workspace, den ich am Abend nicht abbauen muss. Das bietet mir ganz neue Möglichkeiten. In der Koblenzer Innenstadt renoviere ich gerade einen Raum mit Schaufenster und freue mich schon darauf.

Die Coronakrise bereitet Dir demnach keine Bedenken?

Nein, ich bin ein grundpositiver Mensch und denke: Vielleicht habe ich deshalb gerade jetzt eine Gewerbefläche gefunden, die bezahlbar ist. Außerdem hält sich der Einsatz in Grenzen und ich habe einen tollen Effekt.

Du baust Dein Business zielstrebig auf, möchtest aber dennoch weiter hauptberuflich im Angestelltenverhältnis bleiben?

Mir ist Sicherheit wichtig, daher bin ich froh, dass ich durch meinen Arbeitgeber abgesichert bin. Außerdem mag ich meine Kolleg:innen. Dieses Zwischending gefällt mir sehr gut.

Wie sehen Deine weiteren Schritte aus?

Ich sehe mich nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Unternehmerin. Aufgaben zu delegieren und Dinge zu managen – das kann ich sehr gut. Deshalb baue ich mir ein Team auf und werde nicht mehr alles alleine machen. Ich habe mir zwei Künstlerinnen gesucht, die für mich unter meinem Namen Kurse geben werden. Denn ich habe viele Ideen und kann mich nicht zerteilen. Ich freue mich schon auf diese neuen Projekte und darauf nette Menschen in meinem neuen Studio begrüßen zu dürfen.

Vielen Dank für das Gespräch, Jen. Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg.

*Üblicherweise wird hier im Blog gesiezt, doch Frau Kluge bevorzugt als Social-Media-Profi das Du.

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