Dezember und Januar sind besondere Monate in der Gründerszene. Die Energie ist eine andere als sonst. Manche Start-ups nutzen den Jahreswechsel zum Beispiel als Wendepunkt in ihrer Außenkommunikation. Sie verändern ihre Strategie, sortieren sich neu und möchten anders wahrgenommen werden. Konkretes Beispiel? Das Start-up GuMo.fit (by MaxLevel.fit) “verabschiedete” sich im Dezember öffentlich auf Social Media, bedankte sich warm für die Unterstützung, und manche sahen darin ein Ende. Einige fragten tatsächlich, ob das Team aufgibt. Was folgte, war kein Rückzug, sondern eine klare Botschaft: Es geht weiter – nur anders. Solche Momente sind ein Spiegel dessen, wie Start-up-Kultur und Kommunikation zusammenspielen.
2025 erreichte die Zahl der Start-up-Gründungen in Deutschland einen Rekordwert: 3.568 neue Unternehmen sind entstanden – rund 29 % mehr als im Vorjahr (Die Welt), trotz eines herausfordernden Umfelds für Finanzierung und Wirtschaftslage. Gleichzeitig berichten Branchenbeobachter, dass die Stimmung im Start-up-Ökosystem niedriger ist als seit der Corona-Krise, während zugleich die Zuversicht über die nächsten Monate nicht ganz verloren geht. Wie passt das zusammen? Die Antwort liegt im Phänomen des Wandels selbst.
Start-ups entstehen, wachsen und reifen unter Bedingungen, die alles andere als stabil sind. Wachstum heißt nicht nur größer werden – es heißt anpassen, ausprobieren, manchmal einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu machen. In der Start-up-Forschung ist dieser Vorgang als Pivot bekannt: eine strategische Neuausrichtung eines Geschäftsmodells oder der eigenen Kommunikation. Studien zeigen, dass viele der erfolgreichsten Unternehmen nicht linear gewachsen sind, sondern wiederholt ihre Richtung überdacht oder verändert haben (winssavy) – sei es Produkt, Zielmarkt oder Kommunikationsstrategie (eine Analyse zahlreicher Beispiele geht davon aus, dass 75 % der erfolgreichen Start-ups mindestens einmal ihre Strategie angepasst haben).
Was also auf den ersten Blick wie Abschied klingt, kann den Moment eines Übergangs markieren – nicht das Ende der Reise. Wer den Gründungsprozess kennt, weiß darin Mut zur Offenheit, Ambiguitätstoleranz und den Wunsch zu erkennen, neu zu beginnen statt nur fortzusetzen.
Das wiederum ist ein Grund, warum Orte wie das TZK so wichtig sind: Hier findet diese Unruhe einen Raum, der nicht Zerfall, sondern Fortentwicklung bedeutet. Wer sich entwickelt, sammelt Erkenntnisse und biegt möglicherweise anders ab, wählt einen anderen Weg als ursprünglich gedacht.
So gesehen ist der Januar nicht bloß der Monat mit den meisten Vorsätzen bei Privatpersonen, sondern der Beginn einer tatsächlichen Umsetzung von neu Gelerntem in Unternehmen. Während draußen noch Winter ist, findet drinnen vielleicht der wichtigste Teil der Arbeit statt. Im Falle GuMo.fit sieht man nun eine neue Bildsprache auf Instagram und stellt fest, dass neue Produkte angeteasert werden. Das Start-up hat Erfahrungen gesammelt und daraus Schlüsse gezogen, sich weiterentwickelt. Veränderung, Fokussierung in der Kommunikation und Entwicklung neuer Produkte – das sind positive Schritte.
Auch deshalb ist es wichtig, nicht nur über sichtbare Erfolge zu bloggen. Echte Innovation braucht nicht nur Startschüsse, sondern auch Räume des Übergangs. Orte wie das TechnologieZentrum Koblenz bieten Raum für genau diese Phasen der Neuausrichtung von Start-ups. Keine Bühne, sondern Werkstatt. Keine Show, sondern ein Prozess.
