Start-ups haben keine Sommerferien. Ihr Umfeld schon.

Mit Cocktails in der Hand, Sand unter den Füßen und einem Blick auf die Mosel wurde bereits beim Startup Beach am Koblenzer StattStrand vor wenigen Wochen deutlich: Der Sommer hat begonnen. Für viele Menschen bedeutet das vor allem Urlaub, Reisen und eine etwas langsamere Gangart. Doch wie ist das eigentlich in der Gründerszene? Machen Start-ups Sommerferien?

Die simple Antwort lautet: Nö. Mal davon abgesehen, dass Gründer nie so ganz im Urlaub sind und insbesondere zum Beispiel ihre Softwareentwickler gar nicht mitbekommen, ob Tag, Nacht, Sommer oder Winter ist, haben mögliche Sommerpausen einen anderen Auslöser: die anderen.

Wenn das Umfeld langsamer wird

Wer ein Unternehmen gründet, arbeitet selten isoliert. Fast jede Entwicklung hängt von anderen Menschen und Organisationen ab: Kundinnen und Kunden, Banken, Förderinstitutionen, Steuerberater, Notariate, Behörden oder potenzielle Investoren. Genau dort macht sich die Ferienzeit bemerkbar. Termine werden verschoben, Rückmeldungen dauern länger und Entscheidungen wandern auf die Zeit „nach den Sommerferien“. Projekte bleiben nicht stehen, aber sie bewegen sich oft langsamer.

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer kennen den Satz: „Melden Sie sich bitte im September noch einmal.“ Das ist ein normaler Teil des Jahresrhythmus. Trotzdem verändert sich dadurch die Arbeit von Start-ups spürbar.

Eine junge Szene mit eigenem Takt

Die deutsche Gründungsszene ist vergleichsweise jung. Was nicht bedeutet, dass Start-ups keine Familien haben oder grundsätzlich anders leben als andere Unternehmen. Es zeigt aber, dass viele dieser Teams einen anderen Arbeitsrhythmus haben als große Organisationen mit mehreren Hierarchieebenen und umfangreicher Urlaubsplanung.

Hinzu kommt: Start-ups arbeiten meist in kleinen Teams. Fällt eine Person aus, ist das spürbar. Gleichzeitig sind Entscheidungen oft schneller möglich, weil weniger Abstimmungsschleifen nötig sind. Das führt zu einem interessanten Effekt: Während manche Prozesse außerhalb des Unternehmens langsamer werden, bleibt die eigene Dynamik häufig erhalten.

Unterschätzte Jahreszeit?

In der öffentlichen Wahrnehmung gilt der Herbst als die eigentliche Hochsaison. Dann folgen Netzwerkveranstaltungen, Pitch-Wettbewerbe, Konferenzen und Branchentreffen Schlag auf Schlag. Viele wichtige Veranstaltungen finden traditionell zwischen September und November statt.

Der Sommer hingegen wirkt oft wie eine Zwischenzeit. Doch vielleicht wird genau deshalb unterschätzt, wie wichtig diese Wochen sind. Wenn weniger Termine stattfinden, entstehen Freiräume für Dinge, die im Alltag häufig zu kurz kommen. Produktideen weiterentwickeln, eine Strategie überdenken, die Website aktualisieren, neue Kooperationen vorbereiten, Kundengespräche auswerten oder einfach einmal die Frage stellen: Sind wir noch auf dem richtigen Weg? Gerade junge Unternehmen haben selten die Möglichkeit, sich für solche Fragen bewusst Zeit zu nehmen.

Zwischen Strandgefühl und Herbstplanung

Auch im TechnologieZentrum Koblenz verändert sich in diesen Wochen die Atmosphäre. Einerseits wird es etwas ruhiger, andererseits entsteht neues Leben. Räume werden für Ferienprogramme genutzt, Kinder und Jugendliche kommen ins Haus und entdecken spielerisch Technik, Kreativität oder Unternehmertum. Das passt erstaunlich gut hierher, denn Innovation beginnt selten mit einem Businessplan. Sie beginnt mit Neugier und mit dem Wunsch, etwas auszuprobieren. Dafür braucht man zwischendurch auch „Ruhe“ vom Außen.

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